Berlin 07. 9. 2004






Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Ein wohlbekannter Name in der internationalen Kunstwelt (vor allem wegen der Berlin-Stipendien). Weshalb ich mir ja auch diesen Ort ausgesucht habe! Thorsten meinte gleich: Das muss aber was werden heute abend, ich kann mir keine Patzer erlauben, es kommen zuviele wichtige Leute.

Aufbau. Natürlich geht einiges schief, ich bin genervt bis zur letzen Sekunde vor dem Beginn. 10 Künstler stellen ihre Beiträge selbst vor, ich präsentiere den Rest, nochmal fast 20 Künstler.

Gleich nachdem ich angefangen hatte, kamen Einwürfe aus der ersten Reihe: Schwachsinn! Wie oberflächlich! Was soll das? Langsam wurde der Raum voll, man positionierte sich lieber gleich mal unparteiisch reserviert ganz hinten an der Bar. Da verstand man zwar kein Wort, aber deshalb war man vielleicht auch nicht gekommen. Der Projektor matschte die Bilder zu, zu hoher Kontrast, was mir vorher bei Tageslicht noch nicht aufgefallen war. Jetzt war es zu spät, das zu ändern. Denn jetzt lag das alles an mir und meiner Vorführung: Hee, was zeigtst du uns all diese dunklen Bilder auf denen man nichts erkennt? He, wieso verstehen wir hier hinten nichts, habt ihr denn keine vernünftige Ton-Anlage?

Man sagte mir später, ich habe einen grossen Fehler gemacht, als ich das Publikum automatisch einfach gedutzt habe. Und ich habe mit ihnen wie mit dummen Kindern ohne Allgemeinbildung gesprochen.

Das hat mich ziemlich überrascht. Ich hatte versucht, meinen Kommunikationsstil auf Reisen möglichst authentisch vorzustellen. Deshalb viele offene, mögliche Scnittstellen anstatt einer straffen Vorführung.

Man fragte mich auch, warum ich so viele schlechte Kunst vorgestellt habe? Warum nicht einfach nur die 10 besten?

Da hätte ich einige Berliner Künstler gleich ausladen müssen, und ich könnte am besten auch derartige Präsentationen ganz sein lassen, denn der Stil und die Absicht dieser Form führt eigentlich von den Werken weg, hin zu etwas anderem, das Verbindungen und Differenzen zwischen den Arbeiten sucht, sie in immer neuen Kontexten infrage stellt, und sie als Bausteine eines künstlerischen Projektes verwendet.


Email an Alle, kurz nach der Präsentation:

"Trotz sehr schöner Einzelbeiträge hat das Ganze undurchsichtig und unstrukturiert gewirkt. Thorsten: unglaublich schlecht vorbereitet. Juliane meinte, ihre fehlte die Poetik des Ganzen. Jemand im Publikum: Warum sind wir überhaupt eingeladen worden?

Ich hätte mich mehr auf den konkreten Event konzentrieren sollen anstatt einen generellen Überblick über das Projekt verschaffen zu wollen. die Live Präsentationen hätten jeweils nur eine ausgewählte auswärtige Arbeit in Korrespondenz haben sollen.

Was bei den Präsentationen unterwegs ganz gut funktioniert: die Kommunikation mit dem Publikum, hat bei dem Berliner Event sogut wie garnicht stattgefunden.
Ein gehetzter Monolog, der unverständlich wirkte.

Technisch: schlechter Ton (man versteht nichts), schlechtes Bild (man erkennt nichts). schlechter Aufbau (die Art der Bestuhlung machte leicht, sich eher distanziert + inkoknito zum Event vorne zu verhalten. die Kuppel des Raumes hinter der Leinwand bildete einen eigen akustischen Raum, der abgeschnitten vom Publikumsraum war.
Es wäre besser gewesen:
- wenn alle Besucher auf einem grossen teppich sitzen und die flüchtigen Gäste einen Kreis bilden wie beim Strassentheater.
und wenn die Redner sich mitten im Publikum befunden hätten.

Liebe Berliner Banyans, bitte helft mit guten Kritiken, aufdass die nächsten Shows besser werden."

Z